Straßenblumen Kärnten - Pilotprojekt 2020

Straßenblumen Kärnten - Pilotprojekt 2020

Mit der zunehmenden Industrialisierung in vielen Bereichen und dem damit einhergehenden Landschafts-verbrauch ist seit vielen Jahren ein eklatanter Rückgang der Artenvielfalt festzustellen. Mit dem Verschwinden naturnaher Lebensräume und der „Monotonisierung“ der Landschaft sind mittlerweile auch zahlreiche „Allerweltsarten“ gefährdet. Von diesen Ereignissen sind vor allem Insekten betroffen und in weiterer Folge viele Tiergruppen, die Insekten als Nahrungsgrundlage benötigen, wie z. B. Vögel und Fledermäuse.


Bewirtschaftungsform der Straßenböschungen

Bei der Fahrt durch Kärnten kann der wachsame Autofahrer immer wieder bunte, blumenreiche Straßenränder feststellen, häufig nur einen schmalen Streifen breit, manchmal breitere Flächen, auch auf Böschungen. In den allermeisten Fällen handelt es sich um die Grünanlagen der Landestraßen. Mit Ausnahme des Banketts und dem folgenden Streifen, welche öfters bewirtschaftet werden, werden die äußeren Bereiche sehr oft nur einmal jährlich, selten zweimal jährlich bewirtschaftet. Die Art der Bewirtschaftung erfolgt aus betriebswirtschaftlicher Sicht in Form des Mulchens. Dabei wird die Vegetation klein gehäckselt und am Boden liegen gelassen. Dies hat einerseits einen zusätzlichen Düngeeffekt und es bilden sich artenarme, Gräser dominante Grünflächen aus, die einen geringen Blühaspekt aufweisen. Ebenso werden Hochstauden gefördert, teilweise auch unerwünschte Neophyten wie Kanadische Goldrute und diverse Staudenknöterich-Arten. Im Laufe der Jahre verringert sich die Artenvielfalt und die Bedeutung dieser Flächen nimmt aus naturschutzfachlicher Sicht ab.

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Abbildung 1: Liegen gebliebenes Mähgut entwickelt sich zu einem dichten Filz.
Abbildung 2: Böschung beinahe ausschließlich mit Gräsern bewachsen, als Folge des Filzes

Blütenreiche Böschungen

Sind Böschungen oder ebene Flächen vorhanden, die mit zahlreichen krautigen Pflanzenarten bewachsen sind, bilden sie einen vielfältigen Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Darunter fallen Nahrungsräume, Versteckmöglichkeiten sowie Brut- und Nistplätze. Hier sind Mäuse, Reptilien (Schlangen, Eidechsen) und zahlreiche Arten aus der Gruppe der Insekten und Spinnentiere vorzufinden. Zu diesen zählen unter anderem Schmetterlinge, Käfer, Wildbienen und Heuschrecken. Des Weiteren bieten diese bunten Wiesen wertvolle und wichtige Verbindungsstrukturen zwischen anderen Lebensräumen und stellen zusätzlich eine optische Aufwertung der Streckenabschnitte der jeweiligen Straße dar.Von besonderer Bedeutung sind südexponierte Böschungen. Die Standorte sind mager und krautige Pflanzen wie Margeriten, Salbei, Knautie, Nelke und Mohn sind meistens schon vorhanden.

Durchführung des Projektes

Im Rahmen des Projektes Straßenblumen, welches von der Abteilung 9 und der Arge Naturschutz durchgeführt wird, wurden in etwa 50 geeignete Straßenböschungen im Raum Villach – Ferlach – Völkermarkt – Feldkirchen – St. Veit ausgewählt. Bei einer bestimmten Anzahl werden in Zusammenarbeit mit den zuständigen Straßenmeistereien bei den anfallenden Pflegemaßnahmen das Mähgut von der Fläche entfernt, um das Entstehen des Filzes zu vermeiden und sich auf natürliche Weise die krautigen Arten ansiedeln und ausbreiten können. Mit dem aktuellen Projekt soll der Lebensraum „Wiese an Straßen“ sowohl eine optische Verschönerung erhalten als auch aus naturschutzfachlicher Sicht optimiert und somit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung und Verbesserung der Biodiversität leisten.


Die Abteilung 9 erhofft sich durch dieses Projekt den Lebensraum entlang unserer Landesstraßen wieder artenreicher gestalten zu können um z.T. aussterbenden Pflanzenarten wieder neuen Lebensraum bieten zu können.